Gib‘ mir Tiernamen!

Eine der vielleicht wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte sind Namen; genauer gesagt, Vornamen, die es uns ermöglichen, innerhalb eines sozialen Verbundes – wie beispielsweise einer Familie – die einzelnen Mitglieder voneinander zu unterscheiden. Erstaunlicherweise aber gerät dieser geniale schöpferische Einfall ausgerechnet bei Paaren im Laufe ihrer Beziehung immer mehr ins Abseits.

Anstatt eines respektvoll- korrekten „Bernhard, gibst du mir mal bitte die Butter!“ heißt es durchschnittlich drei Wochen nach dem Kennenlernen „Berni, gibst du mir mal bitte…?“ und nach spätestens sechs Wochen „Schatzi, gibst du mir die…“

Schatzis – als Bernhards – korrekte Antwort würde zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht etwa „Hier, Bianca, bitteschön!“ lauten, sondern „Klar, Mausi, bitteschön!“ (ersatzweise auch Puschelchen, Hase, Schnucki, Süße, Purzel oder Schnuppi).

Abgesehen von exotischen Bezeichnungen wie „Schieter“ schwimmen Tiernamen auf der Kosenamenwelle weit oben. Doch was nicht wenige Menschen andererseits als unglaublich albern empfinden („Mein kleiner Rüppelfuchs, du!“), ist in Wahrheit ein unbestechlicher Gratmesser für den Zustand einer Beziehung: Denn wer genauer hinhört, dem dürfte es rasch auffallen, dass die Tiere immer größer werden, je länger eine Beziehung dauert: So mutiert (bei Frauen) „Mausi“ zumeist schon innerhalb der Drei-Jahres-Frist über „Fröschle“ zu „Hase“ und dann zu „Gans“, was dann kurz vor der Sibernen-Hochzeits-Grenze für gewöhnlich bei „Kuh“ endet; ein Nutztier, das gerne auch mit dem einen oder anderen Adjektiv gekoppelt wird. Männer hingegen verlieren ihren knuffeligen „Bärchen“-Status bereits nach etwa drei Jahren zugunsten von „Dicker“, bevor sie spätestens im verflixten siebten Jahr zum Hornochsen ernannt werden.